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STUDIEN & ARTIKEL

Marsh Versicherungsmarktreport 2020 für Deutschland

 


Was in der Sachversicherung vor einigen Jahren zun?chst in bestimmten Branchen begann, ist mittlerweile in nahezu allen Sparten und Industriezweigen angekommen: Die Versicherer überprüfen ihre Kapazit?ten, nicht selten reduzieren sie diese und fordern h?here Pr?mien. Sie stehen unter starkem Handlungsdruck, weil die Ergebnisse in der Industrieversicherung über viele Jahre hinweg defizit?r waren. Anders als in der letzten Phase eines harten Marktes vor 15 Jahren geht diesmal der Impuls für diese Entwicklung nicht von den Rückversicherern, sondern von den Erstversicherern selbst aus. Dabei gibt es keine spartenübergreifenden Grunds?tze, wie saniert wird. Die Zeiten sind vorbei, in denen jedes noch so gro?e deutsche Unternehmen jede Deckung ausschlie?lich mit lokalen Kapazit?ten platzieren konnte – und dies auch noch zu global marktführenden Preisen. Die dazu notwendigen Gespr?che zu führen, nimmt mittlerweile das ganze Jahr in Anspruch. Das Renewal nach den Sommerferien schlank über die Bühne zu bringen, ist somit Geschichte. Die technischen und vor allen Dingen personellen Kapazit?ten, die es ben?tigt, um dieser neuen Marktsituation gerecht zu werden, sind in den seltensten F?llen vorhanden – am wenigsten auf Seiten der Versicherer. Die Versicherungsbranche muss weiterhin an der Schaffung einer gemeinsamen Plattform arbeiten, was kompliziert und teuer ist. Damit die Plattform gelingt, müssen viele Beteiligte sich dazu bekennen, sie dann auch zu nutzen. Noch viel mehr sollten zwischenzeitlich die bestehenden M?glichkeiten und Mittel genutzt werden.

Mittlerweile ist es einfacher, die Sparten aufzuz?hlen, die von Pr?mienerh?hungen und Kapazit?tsreduzierungen nicht betroffen sind, als anders herum. Zudem verfolgt jeder Versicherer seine individuelle Strategie und für Kunden bedeutet das meist: Bleibt alles anders. Darüber hinaus steigt der Druck auf die Ressourcen: bei Kunden, Versicherern und Maklern. Die Versicherungsbranche sollte nicht nur auf die Plattform als Allheilmittel bauen, sondern alle M?glichkeiten überprüfen und Zusammenarbeit neu denken. Technologie ist nicht die L?sung für menschliches Versagen.

Risikomanager sollten eine langfristige und ganzheitliche Strategie verfolgen. Dazu geh?rt, aktuelle Informationen über Werte sowie Lokationen zur Verfügung zu haben und diese mit ihren Risikopartnern zu teilen. Statt Deckungskonzepte unbesehen über Jahre hinweg fortzuschreiben und lediglich den Preis im Auge zu behalten, sind sie in viel kürzeren Abst?nden immer wieder grunds?tzlich zu hinterfragen. Internationale M?rkte spielen eine zunehmende Rolle, genauso wie die Rückversicherungsm?rkte.

Der heute ver?ffentlichte Marsh Versicherungsmarktreport 2020 liefert fundierten Einsch?tzungen zu den Entwicklungen des deutschen Industrieversicherungsmarktes untergliedert nach Sparten, Branchen und Spezialrisiken. Das Branchenkapitel wurde gegenüber dem Vorjahr erweitert und das bedeutende Thema Digitalisierung hat einen eigenen Platz erhalten. Der j?hrliche Report entsteht in enger Zusammenarbeit der Experten aus den jeweiligen Sparten, Gesch?ftsbereichen und den Branchenteams von Marsh.

Aus dem Report:

  • In der industriellen Sachversicherung ist weltweit auf breiter Front eine Verh?rtung des Marktes mit durchschnittlichen Steigerungen im Bereich von 5 bis 10 Prozent zu beobachten. Der deutsche Markt konnte sich dieser Entwicklung nicht entziehen und setzte somit den Trend aus dem Vorjahr fort. W?hrend anfangs die Forderungen der Versicherer moderat und meistens nachvollziehbar waren, wurde der Markt gegen Ende des vergangenen Jahres zusehends schwieriger. Forderungen nach Verdoppelung und Verdreifachung der Pr?mien gegenüber dem Ist-Stand waren Ende 2019 keine Seltenheit. Einschr?nkungen des Versicherungsschutzes oder die Erh?hung der Selbstbehalte haben diese Forderungen nur sehr begrenzt gemindert. Nicht optimal geschützte Betriebe sowie Unternehmen der Chemie-, Stahl-, Gie?erei-, Recycling-, Fleisch- und Lebensmittelbranche waren von dieser Entwicklung besonders betroffen.
  • Die Haftpflichtsparte für industrielle Risiken war seit fast zehn Jahren von sinkenden Pr?mien gepr?gt. Pr?miens?tze wurden regelm??ig reduziert und Umsatzerh?hungen nur in begrenztem Ma?e bei der Festlegung der Pr?mie berücksichtigt, was den Trend zus?tzlich verst?rkte. Nun steigen nicht nur die Schadenzahlungen, sondern auch die Bestrebungen der Versicherer, die Pr?mien zu erh?hen. Der Haftpflichtmarkt zeigte sich im Renewal zum 01.01.2020 (noch) uneinheitlich: Exponierte Risiken, insbesondere Rückrufkostenrisiken der Kfz-Zulieferer-industrie, aber auch Risiken der Bauwirtschaft, Pharma-/Chemie-Risiken und Krankenh?user standen im Fokus der Versicherer für Pr?mienerh?hungen. Schadenbelastete Risiken – hier wiederum insbesondere gro?e Sch?den bei Kfz-Rückrufkostenrisiken – erfuhren zum Teil deutliche Pr?mienerh?hungen. Grunds?tzlich waren aber auch Pr?mienreduzierungen für schadenunbelastete Vertr?ge m?glich. Versicherer sehen in der Sparte Haftpflicht weiterhin profitable Wachstumsm?glichkeiten und wollen Haftpflichtrisiken zeichnen. Gut verlaufende Vertr?ge sollen um jeden Preis im Bestand erhalten bleiben.
  • Die Pr?mien für Cyber-Versicherungen steigen – insbesondere bei Gro?risiken, aber auch bei mittelst?ndischen Unternehmen sind bereits Pr?mienerh?hungen zu verzeichnen. Die Erh?hung der Deckungssummenzuschl?ge bei der Kalkulation von Exzedenten, besonders bei hohen Gesamtdeckungssummen, ist ebenfalls keine Seltenheit mehr. Zudem sind Versicherer nicht mehr automatisch bereit, Kapazit?ten von 25 Mio. Euro bereitzustellen. Generell kann man beobachten, dass zahlreiche Versicherer ihre offerierte Gesamtkapazit?t im Gegensatz zu früher reduzieren und in ihrer Zeichnungspolitik vorsichtiger werden. Trotz Ersteindeckung verlangen die Versicherer h?ufig bereits bei der ersten Erneuerung der Vertr?ge eine Pr?mienerh?hung. Das Ph?nomen Silent Cyber, also die unbekannte Cyber-Exponierung aus den verschiedenen Sparten in den Versichererportfolios, ist weiterhin ein gro?es Thema im Zusammenhang mit Cyber-Versicherungen. Die Interessen der Versicherer bei diesem Thema stehen jedoch geradezu kontr?r im Hinblick auf das Absicherungsbedürfnis der versicherungsnehmenden Wirtschaft: W?hrend hier das Interesse besteht, m?glichst umfangreichen Versicherungsschutz für s?mtliche durch Cyber-Vorf?lle potenziell verursachten Personen-, Sach-, Verm?genssch?den usw. vorhalten zu k?nnen, liegt der Fokus der Versicherungsindustrie eher darauf, derzeit vorhandene (versteckte) Absicherungen sichtbar zu machen oder sogar den vorhandenen Versicherungsschutz in anderen Sparten einzuschr?nken. Hier ist es Aufgabe der Versicherungswirtschaft, eine für die Kunden über alle Sparten hinweg befriedigende Absicherungsl?sung zu entwickeln.

Laden Sie sich rechts das PDF des vollst?ndigen Report herunter.

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